Flavinius, der Römer...

Gegen 52 v. Chr., nach seinem Sieg über die Gallier, bot Cäsar, der zukünftige römische Kaiser, einigen seiner Veteranen Ländereien an. Flavinius erhielt einen Hügel, der seinen Namen trug, Flaviniacum, heute Flavigny. Da Cäsar Anissamen mit sich führte, um seine Truppen zu pflegen, war dies höchstwahrscheinlich der Beginn der Geschichte unseres Bonbons.

Widerard, der Burgunder...

Später fielen die Burgunder, ein germanisch-skandinavischer Stamm, in die Gegend ein. Rom genehmigte es ihnen offiziell, sich in der Region niederzulassen, der sie ihren Namen gaben: Burgund. Corbon, ein Burgunder Seigneur, ließ in Flavigny an der Stelle der villae von Flavius ein castellum erbauen, das der Sicherheit und der Überwachung der Kommunikationswege diente.

534 wurde das Burgund dem Frankenreich angegliedert. Unter der Herrschaft von Clovis (465-511) fand die Gründung der ersten Abtei in Flavigny statt. Sie wurde rasch zerstört, im Jahre 719 jedoch von Widerard, Christ und Sohn Corbons, neu errichtet. Widerard ist es, der eine Klostergemeinschaft nach Flavigny gebracht haben soll, deren zweiter Abt er wurde. Die Mönche von Flavigny gehorchten der Regel des Heiligen Benedikt, die darauf ausgelegt war, die Zeit der Mönche im Rahmen eines gemeinschaftlichen und bescheidenen Lebens zwischen Gebet, manueller Arbeit und Studien aufzuteilen.

Karl der Große und die Abtei

Unter der Herrschaft Karls des Großen (747-814) kam es zu einer wahren kulturellen Renaissance, die für einen raschen Aufschwung der Abtei sorgte. "Bereits 733 befanden sich Lyon und das Burgund unter dem Joch von Karl Martell, der einen Teil seiner Macht seinem Sohn Pippin dem Jüngeren übertrug; die Grafschaften wurden an Verwandte oder treue Gefolgsleute übergeben... und Abteien wie die von Flavigny wurden zu den einflussreichsten Machtvermittlern" (Stéphane Lebecq "Les Origines Franques", Le Seuil, 1990). Flavigny wurde in die von den Machthabern eingeleiteten liturgischen Reformen verwickelt – mehrere Manuskripte werden auf sein Skriptorium zurückgeführt.

Bildhauende und bauende Mönche

Bereits 776 zeugte die Laus Perennis, der mehr als 200 Jahre lang Tag und Nacht ohne Unterbrechung von den Mönchen gesungene Lobgesang, von der Grandeur der Abtei. Der mittelalterliche Reliquienkult trug beträchtlich zum ihrem Wohlstand bei, denn es strömten Quellen-, Jakobs- und Sainte-Reine-Pilger herbei, die es zu pflegen, zu verpflegen und unterzubringen galt. In den Vororten von Flavigny gab es bis zu drei Hospitäler.


Die Kirche der Abtei Saint-Pierre de Flavigny wurde von Papst Johannes VIII. am 28. Oktober 878 geweiht. Noch immer findet jedes Jahr an diesem Tag die „Sankt-Simon-Kirmes“ im Dorf statt.

Zwischen 1230 und 1250 entwickelte sich in der Abtei eine bedeutende Bildhauerwerkstatt, die gleichzeitig für mehrere Baustellen arbeiten konnte wie zum Beispiel Saint-Père-sous-Vézelay (1235-1245), Saint-Thibault (1240-1250), die Notre Dame von Cluny (nach 1233), die Pfarrkirche von Saint-Genest in Flavigny, Rougemont, Molesme, Minot oder Aignay-le-Duc. Die wiedergefundenen Skulpturen wie der Schlussstein mit dem Lamm sind im Lapidarium der Abtei von Flavigny ausgestellt.

Durch seine Heirat mit Margarete von der Provence empfing der heilige Ludwig in seinem Palast eine ganze Reihe von Poeten, Apothekern und Süßwarenherstellern, die von der Königsmutter Blanche de Castille strengstens überwacht wurden. Für die neuen Rezepte wurde Anis verwendet, ganz zur Freude der Anysetiers der Rue Vieille du Temple. Das kleine Zuckerdragee mit Anissamen in der Mitte wurde von den Damen des Hofes hoch geschätzt und in "Königinnendragee" umgetauft, um keine Eifersüchteleien aufkommen zu lassen.

1359 besetzten die Engländer Flavigny sechs Wochen lang. Die Abtei wurde geplündert. Die folgenden Unruhen dauerten bis zu den Religionskriegen an und machten den Bau einer weitläufigen Befestigungsmauer notwendig, die die Abtei und ihre Nebengebäude umschloss.

1789: das Ende der Klostergemeinschaft

Zum Zeitpunkt der französischen Revolution waren nur noch fünf Mönche in der Abtei übrig, nach sechzig während der beiden Jahrhunderte, in denen die Laus Perennis gesungen worden war. Die Kirche wurde größtenteils zerstört und das gesamte Anwesen in Privatbesitze zerstückelt, während die Klosterbauten zum Teil von der Anisfabrik genutzt wurden.



1814 zählte man acht Anisfabrikanten, die die Nachfolge der Bonbonherstellung der Mönche im Dorf und in der Abtei übernommen hatten. 1846 ersetzte die Drageetrommel die alte "Branlante" (dt. etwa "Wackelschüssel").
Nach und nach kaufte ein Fabrikant, Jacques Edmond Galimard, die anderen Anisfabriken des Dorfes auf und fasste sie in einer einzigen in der ehemaligen Abtei zusammen.

1870 wurden 20 Tonnen Anis de l'Abbaye de Flavigny ® hergestellt, 1900 30 Tonnen und 1910 50 Tonnen, die in ganz Frankreich und auch bereits im Export verkauft wurden.
Mit dem von den Mönchen der Abtei überlieferten Savoir-faire wird das gesamte Team der Fabrik heute wie gestern von derselben Begeisterung angetrieben, die Tradition der Anis fortzuführen.

Mehr dazu...

Sie können die Besichtigungstafeln aus der Krypta der Abtei von Flavigny herunterladen:


Flavigny: 2000 Jahre Geschichte


Die Abtei im Laufe der JahrhunderteDer Alltag der Mönche


Eine präromanische BildhauerschuleDie Legende der heiligen Reine


Im Mittelpunkt der Krypta / Erinnerungen von F. Guggenheim / Restaurierung der karolingischen Säule

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